Stadtmeisterschaft 2025: Andi Hierl verteidigt seinen Titel!
Vor der letzten Runde war klar: wenn Jozef und Andi ihre Begegnungen gewinnen würden, wären sicher Platz 1 und 2. Aufgrund des besseren Tiebreaks (Buchholz = Summe der Punkte der jeweiligen Gegner) würde wahrscheinlich Jozef in diesem Fall Stadtmeister:

Carlo vs. Andi – Vorentscheidung 1
Als amtierender Titelverteidiger war Andi natürlich haushoher Favorit gegen Carlo. Er ließ sich auch nicht lange bitten und ergriff die erste sich bietende Chance zum entscheidenden Materialgewinn:

Nach Tc1?? könnte das eine Stellung aus einem Taktikpuzzle sein. Läufer d3 und Springer f3 können potentiell von einem Bauern auf e4 „aufgegabelt“ werden und der Bauer von e6 kann einfach mit „Tempogewinn“ nach e4 gelangen (weil er auf e5 noch den Läufer f4 angreift). Mit einer Mehrfigur hatte Andi leichtes Spiel. Nun muss also Jozef sein Spiel unbedingt gewinnen, um Stadtmeister zu werden, ansonsten ist Andi durch.
Thomas vs. Jozef – das Reiterfestival
Aber gegen welchen Gegner steht Jozef jetzt unter Siegzwang, und dann auch noch mit Schwarz! Thomas Hummel ist ein super unangenehmer Gegner in dieser Situation, hat Thomas doch auch schon gegen Jozef gewonnen.
Jozef hatte ausgangs der Eröffnung die etwas angenehmere Position mit strukturellem Vorteil:

Schwarz hat Raumvorteil am Damenflügel und einen unangenehmen Bauern auf d4, der Weiß ziemlich einschränkt. Außerdem hat Schwarz das Läuferpaar, das allerdings erst so richtig zur Geltung kommen dürfte, wenn sich die Stellung öffnet. Hingegen hat Thomas das Springerpaar, was Hummelkenner ziemlich erfreuen dürfte.
Nach knapp 40 Zügen und spät am Abend sah es dann für Thomas schon ziemlich unangenehm aus, auch wenn konkrete Pläne für Jozef schwer zu sehen waren.

Schwarz hat immer den Hintergedanken, mit f5-f4, Tausch auf g3 und folgendem Läuferopfer aud g3 dem h-Bauern den Weg zur Umwandlung zu ebnen. Nun hätte Thomas seinerseits mit 40.f4 diesen Plan für immer vereiteln können (das Schlagen g4xf3 e.p. lässt den Bauern h3 ungedeckt)., ließ aber die Möglichkeit verstreichen.
Jozef öffnete daraufhin – gemäß dem „Prinzip der 2 Schwächen“ (wonach ein Verteidiger vielleicht seine größte Schwäche gerade noch verteidigen kann, mit einer zweiten jedoch überfordert ist, besonders wirksam im Endspiel!) – mit b5 den Königsflügel und erreichte die folgende gewinnträchtige Stellung:

Au weh! der Bauer auf d4 ist auf einmal ein gedeckter Freibauer und der Vorstoß f4 liegt in der Luft, mit der Idee, den König über f5, e4 nach f3 zu bringen, wonach der Vorhang fällt. Anstatt gleich f5-f4 zu ziehen, bot Jozef allerdings erst mit La5 Schach und zog später noch den König nach f6, womit der f4-Plan erstmal vom Tisch war, und Thomas mit seinem krakenhaften Rössel eine wundersame Rettung gelang:

Ein echter Hummel. Die Wanderung des Linksspringers von b1(rot) hat den Laden zusammengehalten, wohingegen die schwarzen Läufer (grün und magenta) wie Eunuchen umherhuschten.

Der Springer auf d3
- blockiert den Freibauern d4
- greift permanent den Schwächling auf c5 an
- und verhindert wirksam den Durchbruch f4
Schwarzer König und Läufer müssen ständig den Bauern c5 decken und verhindert, dass der weiße König oder Bauer a3 vorrückt, deshalb ist kein Fortschritt möglich und der Remisschluss unvermeidlich. Thomas Hummel ist damit der Meistermacher, denn:
Andi Hierl ist nach 2024 auch 2025 wieder Neumarkter Stadtmeister!
Jojo vs. Martin – Elefant vs. Dinosaurier
Es erscheint schon ziemlich gewagt, wenn Jojo in der letzten Runde mit seinem Elephant’s Gambit einen Tyrannosaurus Rex (15-maliger Vereinsmeister!) zur Strecke zu bringen. Aber immerhin war er nah dran:

Die Dame des gefräßigen T-Rex hat sich zwei Bäuerlein auf a7 und b7 einverleibt, während der Rest der weißen Stellung ein Trümmerhaufen ist: der weiße König steckt in der Mitte fest und die weißen Figuren sind total unkoordiniert. Anstatt Martin nun mit den ruhigen Rückzug Tf8 im eigenen Saft schmoren zu lassen, zog Jojo hier 20…Sc6?? und erlaubte dem alten Hasen die Konsolidierung mit Tempogewinn. Am Schluss biss Martin noch einmal kräftig zu, so dass von „Blümchen“ nur Hackfleisch übrig blieb.
Eine besondere Erwähnung verdient als einer der jüngsten im Feld Theo Markert, der mit einem hervorragenden 6. Platz abschloss und Anlass zur Hoffnung gibt. Bravo!
Endstand:




Runde 1
Runde 2
Runde 3
Runde 4
Runde 6
Stand Super-Cup


