Bezirksliga 2a – 7. Spieltag
Manchmal bin ich wahnsinnig froh, dass ich nicht Kapitän unserer zweiten Mannschaft bin. Insbesondere dann, wenn am Sonntagvormittag Nachrichten in der Mannschaftsgruppe auftauchen:“Ist heute Heimspiel?“ Da möchte man zurück ins Bett und weinen.
Ob unser Mannschaftskapitän F.X. Beer den Vormittag weinend im Bett verbracht hat, ist nicht verbürgt, allerdings – um der Sache vorzugreifen – konnte er, wie die gesamte Mannschaft, nicht sein ganzes Potential ausschöpfen.
Eigentlich schade, denn die Aufstellung unserer Gäste von Schwarz-Weiß Nürnberg Süd war die zweitschwächste, mit der wir es in dieser Saison zu tun hatten, und eigentlich waren wir an keinem Brett klarer Underdog. Es begann schon damit, dass Nürnberg nur zu siebt antrat und wir nach der einstündigen Karenzzeit mit 1:0 führten. Das war dann auch schon der Höhepunkt des Matches!
Schon kurz darauf folgte die Überraschung an Brett 4, wo Thomas Hummel in der Eröffnung vollkommen ungewohnt eine Figur einstellte und sogleich das Handtuch warf.
Nicht viel besser lief es für Paul Neppert (Brett 7), der ebenfalls früh eine Figur einstellte, die Partie aber noch etwas hinschleppte.
Auuf den ersten Blick nicht viel besser sah es bei Ivan Krushevsky (Brett 5) aus, der schon in der Eröffnung eine Turm für einen Läufer geben musste, Zum Glück stellte Ivans Gegner früh alle Gewinnversuche ein und entließ Ivan in ein glückliches Remis. Zwischenstand 1,5:2,5.
An den vier noch spielenden Bretter sah es auch nicht rosig aus. F. X. Beer (Brett 3) kam nur sehr passiv aus der Eröffnung und verpasste es, seinen König in Sicherheit zu rochieren. Als der Gegner dann zum Königsangriff blies, war es im Grunde um F.X. geschehen. 1,5:3,5.
Bei Winfried Weber (Brett 1) lief es eigentlich bis ins Mittelspiel anständig, auch wenn sein Gegner ein leichtes „Aktivitätsplus“ verzeichnen durfte. Schließlich übersah Winfried, dass sich sein König am Rand in höchster Gefahr befand. Aus dem weißen Mattnetz gab es am Ende kein Entrinnen mehr. 1,5:4,5.
Auch von Mattias Birkners Partie (Brett 2) gibt es leider keine Glanztaten zu berichten. Zwar konnte er ausgangs der Eröffnung mit meiner IQP (isolated queen pawn – isolierter Damenbauer) Struktur recht zufrieden sein. Doch anstatt hier das dafür bekannte Schema F zu spielen (Springervorposten auf e5, Läufer auf d3 gegen den König und Turmschwenk über die dritte Reihe), „vergaloppierte“ er sich im Wortsinne mit den Springern und der Dame. Als er schließlich unnötigerweise und völlig unverständlich die Zerstörung seiner Bauernstruktur und Königsstellung erlaubte, war es im Endspiel mit schwachem Läufer gegen starken Springer und 2 Minusbauern im Grunde geschehen. Da wir in dieser Saison einige überraschende Pattrettungen gehen hatten, schleppte er das Spiel noch unnötig hinaus. 1,5:5,5.
Zuletzt kämpfte noch Christian Junker (Brett 6) ums Überleben. Mit den neumodischen Gambit-Eröffnungen ist es ja bestenfalls so: Du gibst früh einen Bauern, den zu Fressen den Gegner aber in der Entwicklung zurückwirft, so dass Du ausgangs der Eröffnung voll entwickelt bist und drückende Aktivität entfaltest, was den Minusbauern voll kompensiert. Bei Christian war die Eröffnung leider genau anders herum gelaufen: er hatte zwar den Minusbauern, aber der Gegner entfaltete die Aktivität. So musste Christian das ganze Spiel über dem Materialnachteil hinterherlaufen. Auch wenn es im Endspiel zähere Verteidigungschancen gegeben hätte, war am Ende der Sieg des Nürnbergers nicht unverdient.
So steht am Ende eine bittere 1,5:6,5 Niederlage. Auch, wenn wir mit dem 8. Tabellenplatz die sicheren Plätze verpasst haben, bleibt für mich eigentlich nur ein Fazit: Das war bestenfalls Kreiliga-Niveau und ungenügend für die Bezirksliga.
Nach Diktat weinend ins Bett.

