Vereinspokal 2026 – Runde 4
Als ich noch in meiner schwäbischen Heimat aktiv Schach spielte, gab es im Schachbezirk einen allseits bekannten Spieler, der ob seiner Passion für Weißbier allgemein unter dem Spitznamen „Woiza-Schulz“ bekannt war. Was das mit dem Neumarkter Vereinspokal zu tun hat? Nur so viel, dass sich ab Runde 4 erfahrungsgemäß die Spreu vom Weizen trennt. So auch diesmal.
Offenbar hat die DWZ doch etwas mit Spielstärke zu tun, weil sich höher gewerteten Spieler auch hier in der Regel durchsetzen (eigentlich wollte ich mir an dieser Stelle ja das böse Bonmot eines amerikanischen Schachfeundes verkneifen: „Deine Wertungszahl entspricht etwa dem zehnfachen Deines IQ plus 1000.“).


So sieht ein Engine-Bewertungsprofil aus, wenn Weiß aus der Eröffnung nichts rausholt, im Mittelspiel die Stellung zugunsten von Schwarz kippt, weil der Schwarzspieler den aktiveren Plan hatte und Druck aufbaute. Am Ende der Partie kollabiert die weiße Stellung und das Gemetzel ist vorbei. Also erfahrener, älterer Routinier gegen ungestümen Jungspund im Jagdfieber.
F.X. vs Andi – Durchmarsch
Der Routinier F.X. Beer konnte als Weißer gegen Jungspund Andi Hierl in der Eröffnung nichts rausholen, bis die Stellung im Mittelspiel kippte, weil Andi das aktive Läuferpaar und einen Sargnagel auf e4 hatte, was schnell zum Kollaps führte.

Nach der Zerstörung der weißen Struktur am Königsflügel marschierte der Bauer von e4 durch bis zur Grundreihe und wurde zur wunderschönen Dame. Damit wahrt „Woiza-Andi“ die Chance aufs Finale und für F.X. geht’s noch um die Platzierung.

Das ist die Illustration eines Klassenunterschieds, wo im Grunde nach 15 Zügen das Ergebnis nicht mehr verhandelbar ist. Entweder ist Weiß ein Routinier und Schwarz ein Genie, oder Weiß hatte einen schlechten Abend und Schwarz ist doch kein Genie…
Philipp vs. Jojo – parlez-vous français?
Der gar nicht mal so geniale Jojo Hierl probierte gegen Philipp Kaufmann einen Franzosen und er erlebte einen französischen Traum, d.h. Durchbruch mit Schwarz am Damenflügel einhergehend mit dem Gewinn wichtiger Zentralbauern:

Im Grunde heißt es schon in dieser Stellung: Rien ne va plus. Und unser Woiza-Jojo rückt eine Runde weiter.

„Klarer Fall, mein lieber Watson, Schwarz kommt von Anfang an unter Druck und kollabiert schließlich unter dem Trommelfeuer des Weißen.“
Erwin vs. Martin – wenn’s nicht läuft, dann läuft’s halt nicht.
Erwin Hirn hatte als Weißer einen angenehmen Abend gegen seinen Mannschaftskameraden Martin Simon, der zur Zeit nicht gerade vom Glück verfolgt wird. Der Zusammenbruch erfolgte als Martin einen Bauern schlug und damit sein Pferd in eine fatale Fesselung durch den Turm stellte.

Die Fesselung nach 29. Sf3 Df7 30.Dd3! ist tödlich, weil Schwarz nicht nur 2 Türme für die Dame geben muss, sondern weil in Folge der Grundreihenschwäche des Schwarzen auch noch eine Figur verloren geht (z.B. 30…Sc7 31. Dxd8 Txd8 32.Txd8+Se8 33. Txb8). Für Martin gilt in dieser Partie, was Goethe so schön formuliert hat (und um das Niveau mal wieder zu heben):“ Halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr gesehn.“

Eröffnung misshandelt und gleich unter die Räder gekommen und die Partie nicht unnötig hingeschleppt.
Sebastian vs. Noah – je ne parle pas français.
Über Zugumstellung geriet Noah Lehner mit Schwarz in einen Franzosen, wo ihm eine Prise Jojo-Genius nicht geschadet hätte. Und natürlich kennt Sebastian Mösl das weiße Standardmanöver b2-b4, um das schwarze Spiel am Damenflügel zu unterbinden. Auch hier sorgte eine tödliche Fesselung für das rasche Ende.

In dieser Stellung muss sich Noah gefühlt haben wie gefesselt und geknebelt und mit Augenbinde im Kofferraum eines R4.

So sieht Überlegenheit aus, mit jedem Zug verbessert Weiß (oder verschlechtert Schwarz) seine Stellung.Selbstverständlich ist der heroische Widerstand des Schwarzen zu betonen, der trotz immer schlechter werdenden Stellung nicht zusammenbricht und aufrecht untergeht.
Ralf vs. Mattias – wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen
Seiner Favoritenrolle kam Ralf Seitner gegen den Autor mit spielerischer Leichtigkeit nach. Mattias hatte eine Vision für seinen schwarzfeldrigen Läufer, die falscher nicht hätte sein können.

„Totes Fleisch“ ist im Grunde der Läufer auf c5, die Bauernstruktur dahinter eine Katastrophe. Die ruhige und geduldige Umwandlung des entscheidenden positionellen Vorteils durch Ralf ist für jeden Schachfreund des Studiums wert.

Drama hoch 10! Schwarz hätte mehrfach gewinnen sollen, aber – für Kenner ist klar – hinter den weißen Steinen hat ein Hummel gewirkt! Was für ein Drama, dass die Partie quasi mit einer Exitus-Flatline endet.
Thomas vs. Jozef
Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Thomas Hummel in praktisch jeder Konstellation mit dem Beinamen „Angstgegner“ gut beschrieben ist. So auch gegen Jozef Smyk, obwohl Thomas überhaupt nicht gut aus den Startlöchern kam.

Mit „unharmonische Figurenaufstellung“ ist die Lage für Weiß noch schmeichelhaft beschrieben. Anstatt mit Ralfscher Geduld legte Jozef die Struktur schnell fest und ließ Thomas entwischen.

Am Ende musste Jozef noch froh um das Dauerschach sein.
In der ersten Blitzpartie des Tiebreaks sah Jozef schon wie der sichere Sieger aus, aber, trickreich wie er ist, mogelte Thomas sich noch zu einem Remis. In der zweiten Blitzpartie gelang ihm das nicht mehr und er sah sich im Endspiel mit einem unabwendbaren Matt konfrontiert.
Die meisten Partien der nächsten Runde finden am Freitag, 27.03. um 20 Uhr statt.

