Vereinspokal 2026 – Spieltag 4/5
4.Spieltag
Einige Partien von Spieltag 4 mussten nachgespielt werden:

Andi vs Johannes – Puzzlestorm
Eine kuriose Eröffnungswahl zeigte Johannes Hierl gegen Andi Hierl (nicht verwandt), als er einen Bauern opferte, der vermeintlich leicht zurückzugewinnen war. Doch daraus wurde nichts und so spielte Andi mit einem isolierten Mehrbauern. Isolanis neigen zwar im Endspiel zur Schwäche, aber man muss halt erstmal ins Endspiel kommen, weil gleichzeitig Isolanis auch eine hervorragende Startbasis für eine Königsattacke bieten – und wer will gegen einen Andi Hierl schon gerne einer Attacke ausgesetzt sein. Bereits nach 20 Zügen tat sich für Andi die Chance zum Sieg auf, die so aus einem Puzzle-Rush hätte stammen können.

Hier nutzte Andi das „Isolanifeld“ c5, um mit 20.Tc5 die Dame anzugreifen, die ja gleichzeitig den Läufer f6 gedeckt halten will. Nach 20…Dg6 21. Sf4 Dh6 wird mit Th5 die Dame gefangen (es droht auch der Abzug Sf6+ mit anschließendem Matt mit Dxh7.
Erwin vs. Sebastian – ab durch die Mitte
Erwin Hirn konnte zunächst eine druckvolle Stellung gegen Sebastian Mösls Zentrum aufzubauen. Als Sebi im Mittelspiel die Zentrumsspannung auflösen konnte und beide Damen aktiv wurden, einigte man sich in unklarer Stellung auf ein Remis.

Endstellung mit beiderseitigen Chancen.
Im Blitz-Tiebreak zeigte Sebi seine gewohnte Klasse und gewann mit 2:0, zwar auch mit ein bisschen Glück, aber vor allem, weil er viel schneller war als Erwin.
F.X. vs. Philipp – Kompensation
Im ersten Platzierungsspiel des Turniers konnte F.X Beer gegen Philipp Kaufmann früh einen Läufer für zwei Bauern gewinnen, allerdings war danach seine Bauernstruktur kaputt, sein König offen, und die Figuren unentwickelt bzw. unkoordiniert – kurz: Gefahr im Verzug.

Der Bauer e3 ist schwach, jetzt fällt auch noch der Bauer c5, aber am wichtigsten wäre eine Maßnahme gegen den lästigen Springer auf g4. F.X. strebte den Damentausch an und spielte mit Mehrfigur gegen drei Mehrbauern und aktive Türme, was nicht schlimm gewesen wäre, wäre er nicht in ein Matt gelaufen.
Martin vs. Noah – immer wieder Karlsbad!
Nicht besonders viel los war beim Spiel von Martin Simon gegen Noah Lehner, wo eine „umgekehrte Karlsbader Struktur“ entstand (d.h. 2 schwarze Bauern(a7,b7) am Damenflügel gegen 4 weiße (a2,b2,c3,d4))

Der Standardplan für Schwarz in dieser Struktur ist der „Minoritätsangriff“: Vorstoß des Bauern nach b4 und Schaffung eines rückständigen Bauern auf c3, oder Öffnung und Druck auf der c-Linie. Leider musste Noah nicht mehr beweisen, dass er Bescheid weiß, weil sich hier beide auf Remis einigten.
Der Blitztiebreak endete mit 1:1 ebenfalls unentschieden, im Armageddon stellte Martin erst die Dame ein, um sie wenig später zurück zu gewinnen und den Sieg einzufahren.
5.Spieltag
Ralf vs. Jozef – die „Hängenden“
Das kleine Finale des Gewinnerzweigs mussten die Favoriten Jozef Smyk und Ralf Seitner ausfechten. Auch hier kam es nach ausgeglichenem Beginn zu einer interessanten Struktur, den „hängenden Bauern“:

Die „Hängenden“ auf c5 und d5 bieten Schwarz einen hervorragenden „Schutzschild“ für Königsangriffe (dafür bräuchte er allerdings idealerweise noch den schwarzfeldrigen Läufer). Im geeigneten Moment könnten die Bauern vorstoßen und Linien öffnen und Freibauern bilden. Für Weiß gilt es ggf. Figuren zu tauschen (gegen einen Königsangriff), die Bauern zu blockieren und ggf. mit b4 oder e4 anzuknabbern. Die Musterpartie für die Blockade der Bauern und Gegenangriff ist die 6. Matchpartie Fischer gegen Spassky 1972.
Ein gutes Beispiel für das Angriffspotential ist Kortchnoi – Karpov, WM 1981
Ralf konnte mit seinem Vorstoß nicht viel erreichen, schwächte aber seinen Königsflügel unnötigerweise und erlaubte Jozef einen beinahe fatalen Gegenangriff

Hätte Jozef hier den wunderschönen Zug 34. Kh2! gefunden, der das Schach beim Einzug des c-Bauern und die Dauerschach-Wippe d1-h5-d1 vermeidet, hätte Ralf den Angriff kaum noch abwehren können. Jozef zog aber 34. Txe6? und Ralf zog mit dem Dauerschach die Notbremse.
Im Tiebreak endete die erste Partie Remis, in der zweiten verlor Jozef schnell. Damit ist Ralf der erste Finalist und Jozef muss zumindest den Umweg über den Verliererzweig nehmen.
Andi vs. Thomas – Brösel
Andi Hierl ist gerade gut drauf. Das bekam Thomas Hummel im Halbfinale des Verliererzweigs zu spüren. Für das, was Thomas passierte, gibt es im Englischen das schöne Wort „to crumble“ (zerbröseln). Thomas wählte eine etwas dubiose Eröffnung, die ihm eine geschwächte Königsstellung und Entwicklungsrückstand einbrachte, keine gute Kombi gegen Andi Hierl in Topform

Andi bereitete hier mit !6.De1 schon mal den Transfer der Dame nach h4 vor, um dem König den Todeskuss zu verpassen. 6 Züge später war es dann soweit.
Sebastian vs. Mattias – mit Scharf
Wie wir uns gegenseitig versicherten, hatten weder Sebastian Mösl noch ich Lust auf diese Partie, aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Im Italiener geht es bekanntlich um die Vorstösse d4 (für Weiß) und d5 (für Schwarz). Für Sebi – als Chefcoach – ist das natürlich in Fleisch und Blut übergegangen und Mattias hat es natürlich verpennt

Mit dem unnützen Zug 13..Sg4? (anstatt des thematischen 13…d5) brachte Mattias hier nach Sebis 14.d4 nicht nur seinen Läufer auf e6 in die Bredoulle, Sebi kochte fortan einen Italiener „piccante e al forno“. Die weißen Läufer stehen ja schon mal gut für einen Königsangriff, der Turm von a1 schwenkt über a3 auf den Königsflügel, und…

…mit dem stillen Zug 34. Kh2, gefolgt von Th1 schaltet sich der zweite Turm ins Killerkommando ein, und Mattias Stellung „zerbröselt“.

