Regionalliga Nord-Ost – Spieltag 9 – Erste steigt um Haaresbreite ab!
Geschichte wiederholt sich bekanntlich nicht wirklich. Es bleiben nur die menschlichen Handlungsweisen und -bedingungen oft gleich, so dass man schnell an ein Déja-vue glaubt, wenn sich Dinge ähnlich wie früher entwickeln.
Rückblende in die Saison 23/24: am letzten Spieltag der ersten Regionalliga-Saison lag man zwei Punkte vor dem Abstiegsplatz mit Nürnberg Süd, wo wir zuletzt antreten mussten. Ein Unentschieden hätte locker zum Klassenerhalt gereicht. Stattdessen reisten wir wie begossene Pudel mit unserer höchsten Saisonniederlage und als Absteiger zurück nach Neumarkt. Damals hatten wir unnötig Punkte gegen Noris-Tarrasch und Herzogenaurach liegen lassen, so dass der Abstieg nicht ganz unverdient war.
Zurück in die Gegenwart: Wieder mussten wir am letzten Spieltag zur Konkurrenz gegen den Abstieg bei Nürnberg Süd, wieder würde uns ein Sieg sicher reichen andernfalls müsste Jäklechemie gegen Noris-Tarrasch (für die es um nichts mehr ging) weniger Brettpunkte machen als wir. Wieder traten wir nicht in Bestbesetzung an. Und wieder war wir nur im Tabellenkeller, weil wir in sechs (!) Mannschaftskämpfen unnötig Brett- und Mannschaftspunkte haben liegen lassen.
Das erste Ergebnis, ein Remis, fuhr der Pollengeplagte Erwin Hirn gegen seinen alten Bekannten Klaus Meulner an Brett 3 ein. Mit seiner Verschnupften Nase war es Erwin nur Recht, ein frühes Remisangebot zu erhalten.
An den anderen Bretter schaute es derweil nicht schlecht aus. Nur Andi Hierl (Brett 4) war zwischenzeitlich mit unangenehmen Fesselungen unter Druck geraten, konnte sich aber mit einer Sequenz von „einzigen“ Zügen aus dem Schlammassel befreien und sein Remisangebot in etwas schlechterer Stellung wurde auch gleich angenommen. 1:1.
Andi Niebler (Brett 5) war in arge Zeitnot geraten und spielte den Übergang ins Damenendspiel auf Inkrement tadellos, so dass nach der Zeitkontrolle die Punkteteilung logisch war. 1,5:1,5.
Nicht so gut ging die Zeitnotphase für Mattias Birkner (Brett 7) aus. Er war gegen den Holländer seines Gegner stark ins Mittelspiel gekommen und hate zeitweilig mehr als eine halbe Stunde Vorsprung auf der Uhr, bis ab ca. Zug 20 beide Spieler in scharfer, taktischer Stellung blitzen mussten. Bis Mattias bei der Wahl eines Schlagzuges quasi „einfror“, die Uhr vergaß und in äußerst vorteilhafter Stellung durch Zeitüberschreitung verlor. 1,5:2,5
Trost spendete Mattias nur, dass Lorenz Schilay (Brett 1) seine Partie in etwas besserer Stellung ebenfalls durch Zeitüberschreitung gewann. 2,5:2,5
Die drei noch laufenden Partien gaben noch Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Jozefs Sieg (Brett 2) war fest einkalkuliert, Martin (Brett 6) war dabei , in seinem bärenstarken Angriff den Faden zu verlieren, und Christian war auf dem Weg in ein ausgeglichenes Endspiel.
Den Anfang machte Martin Simon, der sich auf den erwartbaren Holländer seines Gegners gut vorbereitet hatte und eine starke Stellung gegen den entblößten schwarzen König bekam. Doch als er sich zum einem Bauernraub entschloss, erwachten die schwarzen Figuren plötzlich wieder zum Leben und der schöne Vorteil war futsch. Wenig später wähnte Martin noch seinen Turm gefangen (das rettende Springerschach hatte er übersehen), und er gab sogar noch den Ausgleich aus der Hand.. An der unglücklichen Niederlage war danach nicht mehr zu rütteln. 2,5:3,5
Ebenfalls ungünstig entwickelt hatte sich auch die Partie von Christian Junker, der in ein Bauernendspiel mit Minusbauer geschlittert war. Anstatt den Mehrbauern seines Gegners in einen harmlosen blockierten Doppelbauern mit sicherem Remis zu verwandeln, entschloss er sich, seinen a-Bauern als potentielle „Wunderwaffe“ zu behalten und pendelte mit dem König unentschlossen zwischen Damen- und Königsflügel hin und her, bis er austempiert war und das Endspiel verloren ging. 2,5:4,5
Zuletzt kämpfte noch Jozef Smyk als Topfavorit gegen einen zäh sich wehrenden Gegner. Tatsächlich kann Jozef im Endspiel mit Geduld jeden Gegner schlagen und so steuerte er auch seine Partie nach 4,5 Stunden zum sicheren Sieg. Endstand 3,5:4,5.
Nun hieß es bang auf das Ergebnis von Jäklechemie warten. Und tatsächlich hatten sie gegen Noris-Tarrasch ebenfalls mit 3,5:4,5 verloren (und das, obwohl NT in Bestbesetzung angetreten war!). damit sind wir punkt- und brettpunktgleich mit Jäklechemie. Das entscheidende Tiebreak-Kriterium sind die Anzahl der Mannschaftssiege, wo uns JC voraus ist (der direkte Vergleich – zu unseren Gunsten – kommt erst später zum Tragen). Ein halber Brettpunkt mehr in der ganzen Saison hätte uns die Klasse erhalten. Bitter (aber „Rägel ist Rägel“, hätte Vlastimil Hort gesagt). Dieser Abstieg mag uns Ansporn sein, um jeden halben Punkt zu kämpfen, sei der Wettkampf noch so gewonnen oder verloren.
Nächsten Sonntag muss auch noch die zweite Mannschaft gegen den Abstieg kämpfen. Aber Geschichte wiederholt sich ja zum Glück nicht…

